Die Welt

Memiana ist eine Welt aus Stein in der es nie dunkel wird. Im Gelblicht zieht die Sonne Sala über den Himmel, und im Graulicht, wenn die Farben verblassen, werfen die Monde Polos und Nira ihren fahlen Schein auf die Felsen.Alles Leben auf Memiana spielt sich in der Nähe des Pfades ab, einer Schlucht, die sich um die Welt windet. Die Phyle haben den Pfad in Jahrmillionen tief in den Stein getreten.

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Zwei riesige, sehr unterschiedliche Herden dieser Tiere, Grundlage allen Lebens, ziehen auf dem Pfad unablässig rund um Memiana. Die grünen Phyle leben nur von Wasser und Licht, das die Mahle, eine ihrer beiden Unterarten, über die zottige, dunkle Haut aufnehmen, während die andere, die Fooge, ihre flügelartigen Häute bei Salas Erscheinen aufspannen.Man erzählt Geschichten von einer Zeit, als es Phyle gab, die nicht wanderten, weil ihre Füße tief in der Erde verwurzelt waren. Diese so genannten Imos gab es in vielen verschiedenen Formen, Größen und Farben. Aber kein Mensch hat in der kargen Felslandschaft Memianas je einen gesehen.

Neben den Phylen gibt es die Reißer, Raubtiere, und die Aaser, die sich von dem ernähren, was übrig bleibt. Die Schader, kleine Panzertiere, verzehren den letzten Rest.

MahlEs bleibt nie etwas übrig auf Memiana.

Im Schein Salas sind nur wenige Reißer zu sehen. Erst wenn Polos und Nira am Himmel erscheinen, beginnt ihre Zeit, und was dann unterwegs ist, ist entweder Jäger oder Beute.

Im Graulicht verbergen sich die Menschen hinter dicken Mauern. Beim Untergang Salas schließen sich die Tore, ohne jede Ausnahme. Wer nicht rechtzeitig Schutz findet, ist in den meisten Fällen rettungslos verloren.

Es gibt kein offenes Wasser auf Memiana. Man findet es nur verborgen im Fels. Dort liegen die Caven, weit offene Höhle mit einer Wasserstelle. Überall, wo Menschen eine Cave entdeckten, wurde eine Ansiedlung errichtet. Manche wuchsen zu Städten.

In einem Wall hingegen gibt es kein Wasser. Reisende müssen es mitführen und bewegen sich daher von Cave zu Cave, genau wie die Phyle, deren Pfad sich zwischen tiefliegenden Wasserstellen erstreckt.

foogEine Reihe von Völkern lebt auf Memiana.Die Phylo sind Hirten und folgen den Herden. Sie handeln mit ihrem Fleisch, ihrem Horn, ihren Häuten und einem Nahrungsmittel, dessen Herstellung ihr Geheimnis ist: Kaas. Nach den Phylen, die sie hüten, heißen die beiden Stämme Foogo und Mahlo.Die Vaka sind ein Stamm aus dem Volk der Händler, der Eco. Sie kaufen von den Phylo Lebensmittel und vertreiben sie in ihren Kontoren in den Ansiedlungen und Städten.

Kir dagegen sind Hartwarenhändler und verkaufen alles, was sonst zum Leben notwendig ist, von Geschirr über Kleidung bis zu Baumaterial und Waffen. Kir haben keine Kontore, sondern ziehen mit ihren Märkten rund um Memiana. Es wandern ständig vier Märkte entlang des Pfades, und die Städte, an denen sie Halt machen, genießen Wohlstand.

StecherDie Kir sind die einzigen Menschen, die Kontakt zu den Fero haben, einem geheimnisvollen Volk, das abgeschieden auf einem Berg mit fließendem Stein lebt, der es ihm ermöglicht, Metalle zu schmelzen und zu verarbeiten.Die dafür erforderlich Erze finden sich aber nicht in Ferant, der Stadt der Fero, sondern ein gutes Stück entfernt, wo die Quaro, das Volk der Bergleute, sie abbauen. Sie verkaufen das Erz an die Kir, die es wiederum zu den Fero transportieren. Außer den Kir weiß niemand, wo Fero und Quaro leben.

Die Xeno handeln und hüten nicht, sie behüten. Sie sind das Volk der Wächter, Beschützer und Jäger. Clans der Xeno gehen Kontrakte mit Ansiedlungen und Städten ein und sind für deren Sicherheit verantwortlich.

Viele Menschen gehören gar keinem Volk an. Sie sind die Solo, Ausgestoßene aus anderen Völkern und deren Nachkommen. Solo sind ständig auf Wanderschaft. Viele von ihnen sind geschickte Steinhauer und errichten die kuppelförmigen Unterkünfte oder größere Bauten. Dann gibt es zahlreiche Musiker, die in den Schänken spielen und Erzähler, die Geschichten und Nachrichten zum Besten geben. Schöne Frauen, die im Graulicht das Lager mit Reisenden teilen, nennt man Solaga. Sie ziehen meist mit den Märkten. Schließlich sind da noch die Glücksspieler, Diebe, Betrüger, Räuber und Mörder, die für den schlechten Ruf der Solo verantwortlich sind. Ihretwegen haben Solo nicht immer und überall Zutritt. Wem die Xeno den Zutritt verwehren, der muss im Solo-Wall außerhalb der Mauern bleiben.

Es gibt Geschichten von anderen Völkern wie den Cavo und den Peco. Erstere sollen Menschenfresser sein, die unter dem Fels leben und nur im Graulicht hervorbrechen, um ihre Beute zu überraschen. Die Peco indessen leben im Wasser. Aber niemand hat je einen Angehörigen dieser Völker gesehen.

Ganz anders die Memo: Sie gehören zu dem kleinsten Volk Memianas und genießen ein hohes Ansehen. Die Memo übermitteln Botschaften zwischen Menschen, geben Auskunft auf alle Fragen, beraten Kontraktpartner, führen für andere komplizierte Berechnungen durch und sind das Gedächtnis Memianas.

Ein Memo erinnert sich sein Leben lang an alles, was er einmal gehört oder gesehen hat. Die Memo können einen Teil ihres unermesslichen Gedächtnisses anderen zur Verfügung stellen und es so abschließen, dass es nur durch festgelegte, geheime Worte ihres Kontraktpartners erreichbar ist.

Auf diese Weise kann man Botschaften zuverlässig und sicher rund um Memiana schicken. Nur der gewünschte Empfänger erfährt ihren Inhalt, sonst niemand.

Dies geschieht pfadauf und pfadab mit der zehnfachen Geschwindigkeit eines Wanderers, denn die Boten der Memo reiten auf Kronen, riesigen, zweibeinigen Laufaasern.

Die Stadt der Memo, deren Name nur Mitgliedern des Volkes selbst bekannt ist, liegt ein Stück vom Pfad entfernt. Viele Menschen ahnen, dass es sie gibt, aber keiner weiß Genaueres.

Die unterschiedlichen Völker Memianas leben friedlich zusammen. Kriege hat es schon sehr lange nicht mehr gegeben. Jeder ist sich selbst der Nächste, doch der tägliche Überlebenskampf ist zu hart, um sich auf gewaltsame Auseinandersetzungen einzulassen.

Noch ahnt niemand, dass ein einzelner Mann ganz Memiana aus dem mühsam bewahrten Gleichgewicht bringen und mit Gewalt und Tod überziehen wird …

armlanger-Schneider