Matthias Herbert

Matthias Herbert

© Rebecca Hammer

wurde 1960 in Darmstadt geboren. Nach einem bis dahin eher ereignisarmen Leben machte er 1979 das Abitur und wurde zum Entsetzen vieler Polizist. Nicht zuletzt zu seinem eigenen. Das steigerte sich rapide, als er den Dienst antrat und sehr schnell feststellen musste, dass man ihm erst beibrachte, was im Gesetz steht – und dann, wie man ungestraft gegen alles verstößt. Da er zudem weder als meinungsloser Befehlsempfänger noch als Schläger auf Kommando zu gebrauchen war, stand er bald vor der Wahl, depressiv zu werden oder mit dem Schreiben zu beginnen. M. H. wählte eine Mischform: Er verfasste fortan kaum verständliche und traurige Prosa. Nach drei Jahren zog er die Uniform aus und hat seitdem eine Allergie gegen grüne Kleidung. Bekam dann in friedensbewegten Zeiten einen akuten Anfall von barfußlaufender Alternativitis und wollte extrempazifistisch Gartenbau studieren. Schaffte es aber nur bis zum Assistenten der Geschäftsführung bei einem Importeur von Pflanzen. Der intensive Kontakte zu kalabrischen Familienunternehmen pflegte. Das Kriminelle sollte den zu der Zeit orientierungslos vor sich hin Schreibenden nicht mehr verlassen.
Einmal Bulle – immer Bulle.

Da auch Wurzeln und Blätter nicht das Wahre waren, verabschiedete sich M. H. nach einem Jahr von dem Gemüse und schrieb sich zum Studium von Germanistik, Buchwesen und Publizistik in Mainz ein. Ein gleichzeitig eintreffender, unbedeutender Nachwuchsliteraturpreis überzeugte ihn davon, dass er als Autor vielleicht doch nicht talentfrei war. Das zum Preis gehörende Seminar vermittelte jedoch mehr den Eindruck, Literatur werde aus Alkohol und Nikotin destilliert. Fast ausschließlich, was ihm als Nichtraucher und Nichttrinker von vorn herein eine Außenseiterrolle zuwies. Trotzdem stürzte er sich in der Wissensmühle Universität, um seiner Schreibe eine Grundlage zu verschaffen. Bald musste er aber feststellen, dass die Germanistik Literatur auseinandernimmt und nicht zusammensetzt und verlor die Motivation. Während er mehr schrieb als studierte, arbeitete u.a. als Kraftfahrer, Bäcker, Fensterputzer, Buchclubwerber, Druckereigehilfe, Installateur, Gärtner, Offsetmonteur, Meinungsforscher, Gewächshausverkäufer, Bewässerungskonstrukteur, Reprofotograf und Hifi-Händler. Neben einem unlesbaren Roman schrieb er in der Zeit verschiedene Theaterstücke, veranstaltete Literaturworkshops und -Feste und betreute mehrere Jahre eine Gruppe junger Autoren, aus der diverse, heute namhafte Künstler bzw. Journalisten hervorgingen. Geld verdiente er als Schriftsteller aber erst, als er anfing, Krimis für Illustrierte zu schreiben.
Einmal Bulle – immer Bulle.

Rundfunkarbeiten und eine Einladung zu einem Drehbuchseminar der Bertelsmann-Stiftung folgten. 1988 gab er seinen letzten Brotjob auf und versuchte seinen Traum zu leben, als freier Schriftsteller zu existieren.
Da er mit seinem ersten Drehbuch gleich als die Entdeckung des Jahrzehnts gefeiert wurde, musste er sich um Aufträge von da an erstmal keine Sorgen machen, gab das Prosaische nahezu vollständig auf und widmete sich dem Mord und dem Totschlag.
Einmal Bulle – immer Bulle.

25 Jahre später hat er mehr als tausend Tote auf dem Gewissen und über 300 Drehbücher verfasst. Er kreierte verschiedene eigene Serien, hatte ansonsten aber auch fast überall wenigstens vorübergehend mal die Finger drin. „Doppelter Einsatz“ bekam den Deutschen Fernsehpreis als beste Serie. Dann ruinierte M. H. seinen Ruf als ernstzunehmender Autor nachhaltig, als er die Dramaturgie für die Weltmeisterschaften im Automobil-Hoch-Weitsprung übernahm. Mit ganzer Schraube. Drei Staffeln lang betreute und schrieb er „Alarm für Cobra 11“, nachdem er den Überraschungserfolg zur Serie umgestaltet hatte. Danach sagte jeder Redakteur über M. H., ob er ihn und seine Werke kannte oder nicht: „Der kann doch nur Action.“
Nach seiner Demission von der Explosion als dramaturgischem Element hatte er folgerichtig diverse Probleme, andere „seriösere“ Aufträge zu erhalten und es dauerte einige Zeit, bis M. H. gegen alle Vorurteile für andere Formate Drehbücher schreiben durfte.
In der allgemeinen Wirtschafts- und Fernsehkrise Ende des ersten Jahrzehnts besann er sich dann auf seine Wurzeln und fing wieder mit Prosa an, um endlich einmal etwas schaffen zu können, bei dem nicht 187 Menschen reinreden, die alles besser wissen, es am Ende aber nicht waren, wenn ihre „Einfälle“ umgesetzt wurden. Sondern das miese Drehbuch.
M. H. folgte seiner zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr heimlichen Liebe (mehr als 1000 Bände des Genres im Regal) zur Fantasy und er erfand 2009 Memiana.
Da zu der Zeit aber spannende, fremde Welten weniger angesagt waren, als kopulierende Vampire, hielt er sich mit der Veröffentlichung zurück.
Erst als auch am Markt etablierte Autoren sich auf das Eis des self publishing im E-Book-Bereich wagten, fasste er den Entschluss, seine Saga auf eigenes Risiko zu veröffentlichen.
Heute lebt und schreibt er in Limburg an der Lahn, teilt das Haus mit Frau und Kindern und Katzen und Zwergkaninchen in wechselnder Zahl, mischt sich bissig bloggend in den lokalen Filz zwischen Klerus, Hinterzimmerpolitik und kleinen Geschenken unter Freunden ein und hütet immer noch jedes Fußballtor, in das man ihn stellt.